Karwoche ist Care-Woche
Die Care-Woche 2026 beginnt am Palmsonntag, 29. März 2026, und dauert bis Karsamstag, 4. April 2026.
Karfreitag? Karwoche?… Ist das der Tag im Frühling, an dem man ausschläft und erst noch bis Montag frei hat? War das nicht die Woche vor Ostern, bei der es irgendwie ums Trauern geht? Und was bedeutet überhaupt Ostern?
Dass immer weniger Leute im so genannten „christlichen Abendland“ wissen, was kirchliche Feiertage bedeuten, ist eine Chance: Denn wer nichts mehr mit einer Sache verbindet, kann neu fragen: Was feiern wir da eigentlich? Was hat das alles zu bedeuten?
Traditionelle Christinnen und Christen begehen den Karfreitag als Trauertag. Denn an diesem Tag, so nimmt man an, wurde Jesus gekreuzigt. Die ganze Karwoche ist deshalb traditionell eine Woche der Klage.
Laut Duden stammt die Vorsilbe Kar– vom althochdeutschen Wort Kara. Kara bedeutet: Klage, Trauer, Sorge. Das Wort ist mit dem englischen Care verwandt. Care bedeutet: Sorgen, Sich kümmern, Fürsorglich sein...
Was bedeutet diese Verwandtschaft von Care und Kar-? Was ist Care heute?
In der Schweiz, zum Beispiel, wurden im Jahr 2013 8,7 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet. Es handelt sich dabei überwiegend um das, was heute Care-Arbeit heißt: Kinder von der Geburt an in ihrem Aufwachsen unterstützen, mit allem, was dazu gehört: Trösten, Zuhören, Streicheln, Spielen, Wiegenlieder singen. Aber auch: Waschen, Kochen, Putzen, Aufräumen.
Mit der Flüchtlingsfamilie Kontakt aufnehmen. Für die Nachbarin einkaufen, weil sie das selbst nicht mehr kann … Für diese Art Arbeit wurde 14 Prozent mehr Zeit aufgewendet als für die bezahlte Arbeit. Frauen leisteten 60,5 Prozent der Care-Arbeit. Sie hätten nach offiziellen Berechnungen im Jahr 2020 193 Milliarden Franken verdient, Männer immerhin noch 126 Milliarden. In anderen Ländern sind die Verhältnisse nicht wesentlich anders. Und überall ändern sie sich sehr langsam, wenn überhaupt.
Ohne Care gibt es keine Menschen. Ohne Menschen braucht es keine Wirtschaft. Und: Care ist auch Fürsorge für sich selbst, Burnout-Prävention. Es bedeutet auch: Sorge für die Natur, zu der wir alle gehören!
Warum steht trotzdem nichts über diese Arbeit im „Wirtschaftsteil“ der Zeitung? Was ist Care wert? Warum wird diese Arbeit so oft an Frauen und nach „unten“ delegiert?
Wir schlagen vor, die Karwoche als Care-Woche zu begehen. Erstmals im Jahr 2016, und dann in den Jahren 2017, 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und darüber hinaus… Als Experiment. Als Neuanfang mit Tradition: Statt vor Ostern pflichtgemäß zu trauern, werden wir Care im Sinne der Fürsorge feiern. Leute, die mit der Geschichte von Jesus noch etwas anfangen können, werden sich, statt auf seinen Tod, auf seine unangepasste, nicht besonders „männliche“ Lebensweise konzentrieren. – Alle werden ausprobieren, wie es sich anfühlt, Fürsorglichkeit bewusst wahrzunehmen und in die Mitte zu nehmen: Karwoche ist Care-Woche!


